Freitag, 13. September 2013

Stepping out of your comfort zone

Kia Ora!

Was gibts Neues zu berichten? Nun, zunächst einmal hatte ich vor ein paar Tagen einen massiven Heimwehanfall, einen ganzen Tag am Rande der Tränen gewesen und mich ziemlich allein gefühlt...
Eigentlich finde ich es erstaunlich, dass es so lange gedauert hat, bis solch starkes Heimweh aufkam, ich hatte damit früher gerechnet. Ich bin hier an sich glücklich - nur gibt es manchmal Momente, da vermisst man seine Freunde, die Familie, die Nähe und die Wärme.
Am Abend hatte ich unseren wöchentlichen "chat" (wie geht es mir, wie war die Woche, was könnte besser sein, was war gut...)mit unseren Hosteltern und hab ihnen erzählt, dass ich Heimweh hatte.
Sie waren echt super lieb, haben mir Tipps gegeben um Freundschaften zu schließen, mich abzulenken und mir angeboten sie anzurufen oder auf einen Kaffee im Büro vorbei zu kommen, wenn ich Heimweh habe.
Zusätzlich hab ich dann noch beschlossen mir ein bisschen was zu gönnen, genauer gesagt meine liebste Medizin gegen schlechte Laune - ein Klavier.
Natürlich kann ich mir hier nicht ein richtig tolles Klavier wie daheim leisten, aber nach einigem Hin- und Her hab ich dann ein Digital Piano gefunden, das ein guter Kompromiss ist.
Die "Quest" um es zu bekommen war ziemlich nervenaufreibend. Der Keyboardladen in Auckland liegt an der Ecke Upper Queen Street und Symonds Street - eigentlich einfach zu finden. Ich bin mit dem Auto nach Auckland rein und hab einen Parkplatz nahe Queen Street gefunden und bin dann den Rest hochgelaufen. So weit so gut.
Tatsächlich hatten sie das gewünschte E-Piano auch da, ich hab es aus probiert und für gut befunden.
Der Deal für das Piano war wirklich gut, 950 NZD (=ca. 580 Euro) für das Piano, einen stabilen Holzständer, Pedal und 3-Jahres Garantie. Außerdem gab's einen gratis Klavierhocker dazu.
Nachdem ich zuvor einige Zeit mit Preisvergleichen zugebracht hatte (auch mit Deutschland/England und möglichen Bestelloptionen) wusste ich, dass das wirklich ein guter Deal ist.
Also, Augen zu und durch: Nehm ich.
Leider liefert diese Zweigstelle des Ladens nicht aus, bzw. es hätte ein paar Tage gedauert. Ich dachte mir also: Naja, ich hab das große Auto, da dürfte es reinpassen.
"See you in 10 minutes", lautete meine Verabschiedung. Na von wegen .
Beinahe 40 Minuten später kam ich am Laden an, obwohl ich rein Luftlinienmäßig ca. 500m entfernt geparkt hatte. Warum hat das so lange gedauert?
Nun, es ist Auckland. Das heißt eine Menge Straßen führen unglücklicherweise nicht in die erwartete Richtung oder bieten plötzlich keine Abbiegemöglichkeiten mehr und ehe man es sich versieht ist man entweder in einer Einbahnstraße oder auf dem Motorway (jup, das ist passiert. Hatte eine halben Herzinfarkt, bis ich die nächste Ausfahrt gefunden hab und umdrehen konnte).
Nach einiger Verzweiflung, weil ich zwar auf Symonds Street gelandet war, aber irgendwie den Shop in keiner von beiden Richtungen finden konnte, rief ich dann meinen Hostdad an. Der gab mir den Tipp mich zurück den Berg runter zu Queen Street zu bewegen und dann hochzufahren. (Also mein ursprünglicher Plan, grob gesehen). Das klappte Gott sei Dank dann auch und ich bin endlich halbwegs dort gelandet wo ich hinwollte (falsche Straßenseite, aber die netten Mitarbeiter haben mir die Sachen über die Straße getragen^^'). Der Heimweg war dann vergleichsweise unkompliziert, nach so viel (unfreiwilligem) Rumkurven in Auckland wusste ich so langsam mal wo es langgeht ;-)
Also ran ans Klavier aufbauen! Selbst ist die Frau und so hab ich zum ersten Mal sowas wie handwerkliches Geschick bewiesen und alles tatsächlich zügig, korrekt und stabil aufgebaut. Yay!
Beim Anblick der vielen Schrauben und der Ikea-anmutenden Anleitung hatte ich schon so meine Bedenken gehabt (da fehlt bestimmt wieder so ein dämlicher Holzbolzen...oder man braucht obskure Schraubenzieher, für deren Erwerb ein satanistisches Ritual komplett mit Werkzeugkastenopfer und Schmieröl-Pentagramm notwendig ist).
Das E-Piano war dann auch noch so nett perfekt an den angedachten Platz zu passen, das war ich nämlich eher mit der Philosophie "Wird schon passen...oder ich stell's quer" angegangen.
Nun muss ich nur noch rauskriegen was ich mit meinem kleinen Ecktisch und Stuhl anstelle, die da nun eindeutig nicht mehr hinpassen. Aber da finde ich auch noch eine Lösung.
Das Klavier hört sich recht gut an, wobei ich noch einen Adapter für meine Kopfhörer und eventuell Lautsprecher erwerben sollte, da die eingebauten Lautsprecher den eigentlich möglichen Klang nicht wiedergeben können.
Wenn ich noch einen preiswerten Weg finde meine Noten auszudrucken (den Laptop auf das Klavier zu stellen ist suboptimal), dann bin ich zufrieden. Meine Hostfamilie hat keinen Drucker daheim und Copy Shop könnte bei meinen gewohnten Notenmengen teuer werden. Allerdings will ich mir definitiv keinen Drucker kaufen. Also wohl doch Copy Shop und Noten in Maßen.
Auf jeden Fall tut es gut wieder Klavier spielen zu können und meine Laune ist schon beträchtlich besser!

Nicht nur mit dem Autofahren in Auckland bin ich aus meiner Komfortzone herausgetreten. Gestern bin ich außerdem einer Facebookgruppe "Au Pairs in Auckland" beigetreten und habe nun Pläne für Lunch am Samstag mit vier anderen Au Pairs. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich mich daheim nicht getraut hätte etwas ähnliches mit Fremden auszumachen. Aber hier ist man schon fast dazu gezwungen, da die Agentur bislang zwar Trips, aber kaum bis gar nichts an "social outings" organisiert hat, wie z.B. eine Coffegroup.
Wenn man also nicht in irgendwelchen Vereinen oder etwas ähnlich regelmäßigem ist, muss man sehr bewusst auf Leute zu gehen und sich um Freundschaften bemühen. Sehr ungewohnt, nachdem in der Schulzeit solche Dinge eher nebenbei geschahen.
Ich freue mich aber definitiv auf Samstag und die neuen Leute. Es ist zwar immer wieder nett mit Lisa unterwegs zu sein, aber zum Einen hat sie nicht immer Zeit und zum Anderen kommt man sich irgendwann aufdringlich vor. Außerdem habe ich gerne mehr als eine Bezugsperson.
Ich versuche auch Trips zu planen; auch solche außerhalb von Auckland. Meine Hostmum hat mir einen guten Deal für ein Hostel am Taupo Lake geschickt und sofern ich jemanden finde der mitkommt, würde ich gerne dorthin. Es soll eine wirklich schöne Gegend sein und mit dem Auto sind es gerade mal etwas mehr als 3 Stunden Fahrt. Wenn man sich ein Auto für ein Wochenende mieten würde und sich die Kosten teilt, ist das auch gar nicht so teuer. Mal sehen ob jemand dafür zu haben ist :-)


Bis ich also mehr Freundschaften geschlossen habe, genieße ich die Kuscheleinheiten mit einer Katze, die hier nahezu jeden Tag vorbeischaut. Nachdem ich das eher scheue Tier vor ca. 1 Woche zu Knuddel- und Spieleinheiten überreden konnte, schaut sie nun öfters vorbei und kommt sofort zu mir, wenn ich nach draußen gehe, um ihre Schmuseeinheiten zu bekommen. Awww.

Nächste Woche bekomme ich eventuell südbadischen Besuch - eine Kollegin von Elke hat eine Nichte, die am Sonntag nach Neuseeland fliegt (Work &Travel). Ich hab ihr liebend gerne meine Kontaktdaten gegeben und freue mich, wenn wir mal etwas unternehmen können (mittlerweile könnte ich ihr sogar ein bisschen die Stadt zeigen ohne größeres Verlaufen).
Es wird auch nett sein mal wieder Deutsch zu hören, da ich eigentlich in einem konstanten Schwall von Englisch lebe - finde ich prinzipiell gut, aber so langsam kommt mir die deutsche Sprachmelodie und einige Phrasen/Wörter abhanden. Beim Telefongespräch mit Mum und Dad empfand ich meine eigene Stimme als sehr merkwürdig - einfach nur weil ich mich länger nicht hatte Deutsch reden hören :-D


Das war's auch schon von mir; ich werd jetzt mal schauen ob das Wetter hält und dann eventuell mal wieder einen Trip runter zu Coxs Bay unternehmen um ein wenig zu lesen und die Aussicht zu genießen.

Liebe Grüße!



Bonus: Baking cookies with the girls



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