Freitag, 11. Oktober 2013

An Unexpected Adventure

Jeder der Robinson Crusoe gelesen oder eine Folge der Serie "Lost" gesehen hat, weiß dass das Stranden auf einer Insel ein beliebtes Thema für Action- oder Abenteuerfilme und Bücher ist.
Als ich mich am Sonntag mit zwei anderen Mädchen (eine Franzosin und eine Deutsche, Gel und Franziska) mit der Fähre auf nach Motutapu Island machte, wussten wir noch nicht, was uns erwartete.
Mit Spannung und Vorfreude erfüllt genossen wir die Fahrt raus zu den Inseln im Harauki Gulf vor Auckland. Vorbei an Rangitoto, einer Vulkaninsel, die ein beliebtes Ziel darstellt  und die Nachbarinsel von Motutapu ist, ging es weiter zu Home Bay, dem Anlaufpunkt für Schiffe auf Motutapu. Die Neuseeländer bewiesen mal wieder ihre lockere und freundliche Art; direkt als wir vom Boot runtergingen kam einer derjenigen, die auf der Insel arbeiten, zu uns und fragte uns ob wir wissen was wir tun, wo wir hinmüssen, ob wir Wasser haben etc. und zeigte uns den Weg zu unserer gewählten Route. Außerdem lud er uns ein am Ende des Tages vor der Heimfahrt in das restaurierte Farmhaus am Home Bay Strand zu kommen und sich zu den Volunteers und Arbeitern zu gesellen, die dann ein Barbecue veranstalten wollten.
Kostenloses Essen? Immer doch! Wir hatten schon eine Route im Kopf und die sollte uns genug Zeit geben um noch ein wenig Gastfreundschaft und Essen zu genießen, bevor es mit der Fähre wieder nach Hause gehen sollte. Dachten wir zumindest.
Auf ging es durch "native New Zealand bush", die Baumkronen ein willkommener Schutz vor den heißen Sonnenstrahlen. Strahlend blauer Himmel und Sonne - das Wetter war perfekt, wenn auch etwas warm. Gerade in Neuseeland verbrennt die Sonne einen leider auch sehr schnell, da ist Vorsicht angesagt.
Bei unserem Trip durch den "native bush" sah und hörte man den ein oder anderen seltenen Vogel (zumindest ließen uns die älteren Damen vor uns, allem Anschein nach erfahrene Wanderer á la Oma Erika, das wissen), die dem Europäer fremd vorkommenden Bäume und Büsche Neuseelands und schöne kleine Blumenwiesen. Alles in allem eine sehr beruhigende Atmosphäre.
Da die Nachbarinsel Rangitoto bekannter ist und ein beliebtes Ziel für Touristen darstellt, waren die meisten Leute auf der Fähre dort ausgestiegen. Auf Motutapu waren vielleicht zehn Leute, darunter wir, und davon gingen auch nur wir drei Mädels und drei ältere Damen in diesselbe Richtung los.
Was das genau heißt? Friedliche Stille, bis auf das Zirpen der Grillen, das gelegentliche Vogelgezwitscher, das Rauschen des Meers und ab und an hörte man die Kühe, von denen es auf der Insel einige gibt.
Dank einer Karte und der wandererprobten Franziska verlief der Trip zu Beginn weitgehend ereignislos; wir folgten mal diesem, mal jenem Wanderpfad, genossen die wunderschöne Landschaft mit grünen Hügeln und blauem Meer bei wunderbarem Wetter.
An der Administration Bay legten wir dann eine Pause ein, tauchten die Füße kurz ins kühle Wasser und nutzten die Gelegenheit für einen Snack und das ein oder andere schöne Foto.
Ich musste bald schon anfangen ältere Fotos von meiner Kamera zu löschen, da sich so viele tolle Fotomotive anboten und man einfach alles in jedem erdenklichen Winkel fotografieren wollte - und immer noch das Gefühl hatte, die Fotos würden dem Original nicht gerecht werden. Im Gegensatz zu manch anderen Orten, bei denen man das Gefühl hat, die Postkarten und Fotos wären schöner als das Original tatsächlich ist, ist es in Neuseeland beinahe umgekehrt. Man steht am Strand, schaut auf das Meer hinaus und denkt sich: Wie kann ich das Glitzern der Sonne auf dem Wasser, die schäumende Gischt auf den Wellen, das leuchtende Grün der Hügel und Bäume und das strahlende Blau des Himmels je in ihrer ganzen Pracht und Herrlichkeit festhalten? Die Antwort darauf lautet: Eine gute HD-Kamera oder Spiegelreflex ist ein Anfang, aber nichts kann die Realität ersetzen.
Nachdem wir uns ausreichend gestärkt und ausgeruht hatten ging es, mit Blick auf die Uhr (Herr Jösel lässt grüßen!), weiter. Unser Plan war dem Wanderweg um die Insel herum zu folgen, immer an der Küste entlang. Die wunderschöne Landschaft machte selbst mir als Wandermuffel das Laufen zum Vergnügen (auch wenn man dank der hügeligen Landschaft ab und an ein wenig außer Atem war). Es gab so einige lustige Momente, wenn der Grasboden plötzlich unter den Füßen des Mädels vor einem einbrach und diese fluchend im Schlamm (wahlweise Kuhmist) stand; man dann hinten dran vor Lachen kaum Luft bekam, nur um wenige Augenblicke später selbst einzubrechen.
Ja, es war eine lustige Wanderung, so viel steht fest. Die Kühe auf der Insel, denen man ab und an begegnete, trugen immer wieder zur allgemeinen Belustigung bei - sehr neugiere Tiere, die einem hinter her starren und teilweise sogar folgen. Wir hätten sie glaube ich noch süßer gefunden, wenn sie nicht die ein oder andere Wiese dermaßen zertrampelt oder/und mit versteckten Kuhfladen dekoriert hätten.
Wir gelangten an den Punkt der Insel, an dem man (wenn man Zeit und Lust hat) nach Rangitoto rüberlaufen kann. Das war aber nicht unser Plan an diesem speziellen Tag. Mit erneutem Blick auf die Uhr und einem entspannten "Ach, es ist ja gerade mal viertel vor zwei" ging es weiter in Richtung Home Bay. Dachten wir zumindest.
Bislang waren wir weitgehend den Pfaden gefolgt und hatten uns dabei entweder an den Wegen/Straßen (sofern vorhanden) oder den orange-markierten Pfosten orientiert. Irgendwie mussten wir aber vom Weg abgekommen sein, denn nachdem wir einige Minuten lang keinen einzigen Pfosten und auch keinen Weg sahen, fanden wir das schon etwas merkwürdig, aber noch nicht beunruhigend. Dann ging man eben immer weiter in die Richtung, immer an der Küste entlang, dann müsste man bei Home Bay ankommen, auch ohne spezifisch angezeigten Weg.
Tja, falsch gedacht. Als wir zunehmend verwirrt wurden ("Wo genau sind wir?") und die Minuten dahinstrichen, machte sich Unruhe breit. Schließlich mussten wir zugeben: "Wir haben uns verlaufen."
Wie jeder gute Teenager übersprangen wir die Panik und gingen direkt zu hysterischem Gelächter über, bevor wir uns dann mit Hilfe von GPS zu orientieren versuchten. Da die letzte Fähre bald abfahren sollte (so viel zum Barbecue) bewegten wir uns konstant in die Richtung weiter, in der wir Home Bay vermuteten. Stehen bleiben erschien uns noch ungünstiger.
Wir konnten dann auch irgendwann rauskriegen, dass wir tatsächlich nahe Home Bay sind (zum Glück, wir hatten schon spekuliert ob wir es mysteriöser Weise geschafft hatten wieder an die andere Küste zurück zu wandern...). Nur wo genau sollte es jetzt lang gehen und wie schnell kam man da hin?
Wir wanderten also über Hügel, Täler und Kuhwiesen, winkten den neugierigen Bewohnern dieser zu, und kletterten über diverse Zäune, sprangen über Bäche und tasteten uns um besonders matschige/kuhfladenreiche Flecken herum.
Nach einem erfolgslosen Versuch an die Bucht runterzurennen und die Aufmerksamkeit einiger vorbeifahrender Boote auf uns zu lenken, dachten wir uns: "Jetzt sind wir schon hier unten, da können wir auch gleich ander Küste entlang."
Gott sei Dank war gerade Ebbe, daher konnten wir über die Steine, scharfkantigen Muscheln, enthüllte Meerespflanzen usw. klettern, immer mit Blick auf eine Bucht, die unser Ziel darstellte. Zu dem Zeitpunkt wussten wir nicht, dass es tatsächlich Home Bay war (so viel Glück hielten wir für unwahrscheinlich), aber wir wollten es dennoch dorthin schaffen, da dort Boote in der Bucht lagen und vielleicht jemand wusste wo wir lang mussten oder uns sogar mitnahm.
Nachdem das Wasser an manchen Punkten schon wieder zu steigen begann und die Kletterei zunehmend auf die Felsklippen verlagert werden musste, beschlossen wir irgendwann umzudrehen. Wir konnten nicht wirklich sehen, was vor uns lag, ob hinter der nächsten Biegung tatsächlich noch mehr begeh(lies: bekletter)bares Gelände vor uns lag oder nicht einfach nur Meer. Wobei wir an dem Punkt schon drüber nach dachten, wie weit das wohl zu schwimmen wäre...
Kameras und der Gedanke an noch recht kühles Wasser hielten uns davon aber ab und wir drehten um. Zurück an unserem Startpunkt, einer kleinen Sandbucht, beschloss ich dann das Fullers Office (die Fährenorganisation) anzurufen. Der ursprünglich Plan war diese zu fragen, ob sie vielleicht eine Kontaktnummer von jemanden auf der Insel haben, der uns dann entweder Anweisungen geben konnte oder uns vielleicht sogar mit einem der Geländewagen abholen würde.
Gesagt getan.
Nach kurzem Hin- und her um jemanden zu finden, der sich mit der Insel auskennt und einigen ungläubigen "How did you get lost?" (was ich nur mit "We're not sure" beantworten konnte), hatte ich dann einen freundlichen Mitarbeiter am Telefon, der sein Bestes gab um rauszukriegen wo wir sind und was wir tun können. So fanden wir dann heraus, dass die Bucht, die wir sehen konnte, Home Bay ist (immerhin!). Um zwischen den Anrufen nicht untätig zu sein, beschlossen wir den Hügel hochzuklettern. Das darf man sich ungefähr so vorstellen: Mit einem Stock bewaffnet, den man gelegentlich in den Boden rammte und nicht wieder rückwärts runterzufallen, kletterten wir den steilen Hügel hoch. Immer wieder die Hände in die Erde und das Gras krallen und hoffen, dass der gerade gefundene Absatz nicht mal wieder unter einem wegbröselt, während immer wieder mal stachelige Pflanzen und Kletten kratzten, piksten und in den Kleidern hängen blieben.
Immer wenn wir dachten, wir wären endlich oben, kam ein neuer Anstieg in Sicht. Die letzte Etappe war klettertechnisch die Schlimmste, wobei wir an diesem Punkt eine "I don't care anymore" Einstellung hatten. Der letzte Teil vor der Hügelspitze war mit Büschen bewachsen - außen rum ging aber nicht wirklich und hätte auch zu viel Zeit gebraucht. Also biss man die Zähne zusammen und zog sich mitten durch die stacheligen Büsche und Gewächse, die man bis dato schön vermieden hatte.
Oben angekommen erreichte mich ein erneuter Anruf: Sie würden die Fähre gerade aufhalten, aber "Get your skates on".
Heißt: Rennt um euer Leben!

Rennt um euer Leben entpuppte sich aber als praktisch nicht umsetzbar, was zum einen daran lag, dass wir vom Aufstieg, der Wanderung und all dem außer Atem waren und unsere Beine langsam Gummi ähnelten, zum anderen daran dass ausgerechnet dieser spezielle Hügel mit einem Gras bedeckt war, das unter einem nachgibt (ein wenig wie ein schwammiger Boden - man bricht nicht ein, aber sinkt ein, obwohl das Gras kurz aussieht). Jeder der auf einer nicht ganz aufgeblasenen Hüpfberg herum gelaufen ist, weiß wie sich das anfühlt und was die Wahrscheinlichkeit für Rennen auf so einer Unterlage ist.
Mein Kontakt im Fullers Office teilte mir mit, dass sie die Fähre nicht mehr aufhalten konnten (Zeitplan und Leute wurden ein wenig ungeduldig), aber sie würden eine extra Fähre für uns schicken. Das fand ich dann doch überraschend, nahm das aber natürlich freudig an, auch wenn es mit extra Kosten von 150 NZD verbunden war (50 NZD pro Person).  Wie mir mitgeteilt wurde, war das aber nicht einmal genug um den Sprit für die Fähre zu bezahlen (kann ich mir vorstellen...) und an dem Punkt waren wir auch einfach froh darüber, eine sichere Möglichkeit zu haben wieder heimzukommen.
Home Bay kam nun auch in Sicht und ich glaube ich habe selten so viel Erleichterung gespürt, wie beim Anblick dieses Strandes. Unten am Strand angekommen beschlossen wir dann erst einmal ein Erinnerungsfoto zu schießen. So sieht man aus, nach fast 6 Stunden Wanderung, Klettern über Zäune, entlang Klippen und Hügel durch stachelige Büsche hinauf, und das alles in der prallen Sonne:

Wie ihr sehen könnt hat uns das ungeplante Abenteuer die Laune nicht verdorben ;-) Überhaupt waren wir recht ruhig und eher amüsiert, wenn man es im Nachhinein betrachtet. Keine Tränen, keine Panik (zumindest nicht äußerlich) - so ist das Verlaufen gar nicht so dramatisch.
Als wir dann den Strand entlang liefen in Richtung Steg, zeigte sich auch gleich wieder die freundliche Natur der Kiwis: Ein Mann kam uns entgegen, der wohl mit seiner Familie in einem der zwei alten Häuser an der Bucht lebt. Er fragte uns besorgt, ob wir ein eigenes Boot hatten (da er wusste, dass die Fähre schon weg war). Wir versicherten ihm, dass ein extra Boot für uns kommen würde. Er wollte gerne das Fullers Office anrufen um sicherzustellen, dass wir abgeholt werden würden und bot uns außerdem an uns auf seinem Boot nach Auckland zu bringen. Das überraschende Angebot hätten wir liebend gern angenommen, aber beim Anruf in der Zentrale stellte sich heraus, dass die Fähre schon auf dem Weg war - zum Zurückrufen war es zu spät. Schade, aber wir dankten trotzdem und plauderten noch kurz mit der kleinen Familie, bis wir dann weiter zum Steg schlenderten.
Wir mussten uns schwer zusammen reißen nicht laut loszulachen, als eine Fähre (zwar etwas kleiner als die, mit der wir herkamen, aber immer noch riesig!) auf uns zufuhr, dachten wir doch sie würden ein kleiners Boot schicken. Zwei (gutaussehende) Männer, Kapitän und Crewmitglied, begrüßten uns grinsend und begannen eine Rampe auf das Boot aufzubauen. Unsere Frage, ob wir nicht einfach rüberspringen sollen, beantworteten sie mit "Oh no, it's fine. We don't want any accidents." Was ich trocken mit "We did worse today" konterte.
So gingen wir dann an Bord auf einer Rampe, die für uns von den beiden festgehalten wurde. An Bord durften wir unter allgemeinem Gelächter mal wieder erklären, wie wir uns überhaupt verlaufen hatten. Dann wurde nachgehakt, ob wir okay sind, ist jemand verletzt, brauchen wir einen Erste Hilfe Kasten, Sonnencreme...
Dankend lehnten wir ab und ließen uns erleichtert auf die Sitze an Deck sinken. Nach kurzer Verschnaufpause gingen wir runter ins Café, wo wir erstmal eine Wasserkanne entdeckten und diese prompt leertranken. (Wie wir später realisierten, war dass das Wasser, das man normalerweise für Kaffee verwenden kann. Ups.)
Das Crewmitglied besetzte extra für uns den kleinen Caféladen, wo wir dann unsere extra Fähre bezahlten und eine Wasserflasche kauften, bevor wir wieder hoch zu unseren frei wählbaren Sitzen gingen (es war ja sonst niemand an Bord, außer der Crew!). Jetzt, da wir sicher auf dem Weg nach Hause waren, lachten wir herzlich über das Abenteuer, verglichen unsere Schuhe, die in unterschiedlichen Stadien von "ruininiert" waren und erfreuten uns trotz der ungeplanten Extrakosten daran, eine Fähre ganz für uns zu haben. Munter winkten wir den Booten zu, an denen wir vorbeifuhren und genossen den kühlen Wind auf unserer doch etwas sonnenverbrannten Haut.
Im Hafen von Auckland angekommen begrüßte uns einer der älteren Mitarbeiterinnen, die es ebenso wie die Crew eher lustig als nervig zu finden schien, dass wir uns verlaufen hatten und wir durften erneut über eine extra für uns festgehalteten Rampe laufen (wir wären auch hier gesprungen...aber "No accidents"). Wir verabschiedeten uns von den Fährenmitarbeitern mit einem Lachen und in meinem Fall den Worten "Thank you! You might get a flower bouquet."
Ein wirklich ereignisreicher Tag, ein ungeplantes Abenteuer und eine Story, die wir alle sicherlich irgendwann einmal unseren Kindern und Enkelkindern erzählen können.
"Damals wäre ich fast auf einer Insel in Neuseeland gestrandet gewesen..."


Bonus: Unsere Route (in lila)

Dienstag, 1. Oktober 2013

Welcome to Hobbiton!

Am Samstagmorgen ging es also auf nach Hobbiton!
Zu meinem Erstaunen waren wir relativ viele (über 25 Leute!) und hatten tatsächlich auch ca. 10 Jungs/Kerle unter uns. Das lag aber wohl daran, dass nicht nur Au Pairs, sondern auch Interns mitkommen durften. Männliche Au Pairs sieht man sonst hier in etwa so oft wie weiße Löwen.
Wir waren vornehmlich Deutsche (wie immer), aber auch Holländer und Belgier. Mit einer Belgierin namens Jana hab ich mich dann direkt angefreundet und wir haben sowohl die 2-stündige Busfahrt als auch den Trip größtenteils miteinander verbracht.
Bereits auf dem Weg nach Hobbiton sieht man all die grünen Hügel und Wiesen und kommt sich schon richtig wie in einem Film vor. Dieses Gefühl tritt spätestens dann vollkommen ein, wenn man den Bus geparkt hat, um die Ecke geht und vor den ersten "hobbit holes" steht. Die Leute, die mit den Filmen vertraut sind, wird dieses Gefühl besonders stark treffen, denn der "Eingang" nach Hobbiton ist (nach Galadriels Intro) die  Eröffnungsszene von "Fellowship of the Ring",  wenn Gandalf durch Hobbiton fährt. 
Es fühlt sich surreal an in einem tatsächlichen Filmset herumzuspazieren, insbesondere in einem, das quasi genauso aussieht wie auf  der Leinwand und nicht nur aus Green/Bluescreens und Gerüsten. Die Details sind faszinierend; hier und da sieht man kleine Leitern, Hemden an Wäscheleinen, gepflegte Blumenbeete, Mini-Gießkannen, Holzblöcke, Töpfe...
Die Vorstellung, dass sich jemand so viel Mühe gegegeben hat für Dinge, die den meisten gar nicht auffallen werden oder in den Filmen nie zu sehen sind, lässt neuen Respekt für Peter Jackson und sein Team aufkommen.
Ganz besonders gut gefallen hat mir der "Party Tree" und der See mit Blick auf den Green Dragon. Der Party Tree und der See waren übrigens schon so auf dem Farmland (denn darauf ist Hobbiton gebaut) vorhanden.
Ein weiteres Highlight für den Lord of the Rings/Hobbit Fan ist es vor Bag End zu stehen - damit hat man dann auch prompt eine weitere Szene bzw. diverse Filmszenen quasi aus der "live" Perspektive.
Weiter geht es dann runter zum Party Tree und der Wiese, auf der im Film Bilbo's Geburtstagsfeier stattfindet. Am Rand dieser Partywiese sind zwei Hobbithäuser, von denen einem eins vielleicht bekannt vorkommt...das Haus mit der gelben Türe ist Sam's Haus, das in den Filmen am Ende von "The Return of the King" zu sehen ist, wenn Sam heim zu seiner Rosie kommt, die Kinder auf ihn zurennen und die Geschichte endet. Happy End (fast).

Da ich die LOTR Filme gefühlte 20-mal gesehen habe und auch die Extras/Audiokommentare in- und auswendig kenne waren die meisten Infos, die wir von unserer Tourführerin bekamen für mich nichts neues. Manche Sachen zum Set waren allerdings interessant und für die, die nicht ganz so verrückte Freunde haben, die mit einem eine LOTR Filmnacht nach der anderen durchziehen, waren sicher auch die anderen Fakten neu und interessant.
Nach Sam's Haus ging es dann rüber zum Green Dragon. Dieser Pub, die Wassermühle und die Brücke, die dort hinführt, gehören zur schönsten Szenerie in Hobbiton (meiner Meinung nach).
Im Green Dragon gab es dann auch einen kostenlosen Drink (Ginger Beer in meinem Fall) und man konnte den vollausgestatteten Pub bestaunen, in dem sich wieder mal die Details zeigten. Kleine Notizen, Zeichnungen, Karten, Miniaturmäntel an Kleiderhaken...
Dann ging es auch schon zurück zum Eingang und nach einem kurzen Lunch wieder in den Bus.
Die Rückfahrt war äußerst unterhaltsam, da wir alle bestens gelaunt und zu Späßen aufgelegt waren. Zwei der Jungs hatten außerdem den Job des "DJ" übernommen und mit dem Segen unserer Busfahrerin nahmen sie Wünsche entgegen oder beschallten uns auch mal mit ihren Ideen von "Musik". Besonders lustig wurden Momente wie "Bad Touch" (ratet wer als Einziges mitgesungen hat. Yap. Ich. Meine Sitznachbarin hat angefangen zu lachen und meinte dann "You're the first girl I ever met who knows the lyrics to that song AND who is willing to sing along"), "Barbie Girl" (alle Mädels im Bus haben mit größtem Enthusiasmus mitgesungen - es war 'hilarious'!) oder "Mamma Mia" (da ließen auch die Herren der Schöpfung sich zum Mitsingen bewegen).
Ich hatte selten so viel Spaß und werde definitiv wieder auf einen der Dream Au Pair Trips mitgehen.
Mit der Belgierin habe ich Nummern ausgetauscht, wir sehen uns bestimmt noch einmal.
Damit gesellt sie sich zu der rapide wachsenden Zahl an Leuten, die ich in den letzten Wochen getroffen habe. Ich bin einer Facebook Gruppe "Au Pair in Auckland" beigetreteten und das war die beste Idee seit langem. Seither habe ich mich wiederholt mit teils denselben, teils völlig fremden Au Pairs getroffen und auch selbst begonnen Dinge zu planen. Für November habe ich einen Bay of Islands Daytrip initiiert, für den wir nur noch ein genaues Datum brauchen. Nächste Woche ist Karaoke angesagt (auch von mir organisiert), gestern Abend war ich mit einem anderen Au Pair Abendessen, am Freitag gehe ich vermutlich mit einem ins Kino, am Wochenende evtl. ein Trip (meine Hosteltern sind dann unterwegs, ich hab also jede Menge Zeit am Wochenende) und am Mittwoch treffe ich mich mit vier anderen Mädels. Wir wollen versuchen einen 2-3 wöchigen Trip durch Australien im Juni/Juli 2014 miteinander zu planen. Vielleicht ein Roadtrip mit Campervan und richtigem Backpackergefühl? Ich hoffe das klappt, es klingt nach sehr viel Spaß! Ganz konkrete Pläne was wir sehen wollen haben wir noch nicht, aber Städte wie Melbourne, Sidney, Perth, Brisbane, Queenstown und natürlich Sehenswürdigkeiten wie Ayers Rock und Great Barrier Reef stehen auf der Liste.
Außerdem habe ich Karten für "Wicked", das Musical, welches gerade in Auckland ist. Am 13. Oktober werde ich die Show mit einem anderen Au Pair zusammen anschauen gehen, darauf freue ich mich total (Sie ist übrigens Deutsche. Und heißt Hannah. Ja, wir fanden das auch lustig.).
Für mich sind all das (Pläne, Organisieren...) Zeichen, dass ich mich verändere. Zum Positiven hin.
Eine gewisse Zurückhaltung hatte ich immer, aber aus mir heraus zu gehen fiel mir nie so leicht wie hier. Sei es einfach Pläne zu machen (oft mit eigentlich Fremden), das Telefon in die Hand zu nehmen und Anrufe zu tätigen um solche Pläne zu organisieren (Ja, Mama. Ich telefoniere mit Leuten/Organisationen/Restaurants/... Ich kanns auch nicht fassen.) oder aber auch das Verhalten im Alltag. Einfach mal mit Menschen zu plaudern, ob Passant, Nebensitzer im Bus, Busfahrer, Verkäufer, Mütter auf dem Spielplatz...An der Kasse eben nicht nur "Danke" und "Guten Tag noch" zu sagen, sondern fröhlich mit "How are you?" ein Gespräch beginnen, sei es über den Laden (in dem man vielleicht zum ersten Mal ist, aber ihn interessant findet!), Familienschmuck, Lebensmittelpreise, das Wetter....Smalltalk, ja, aber Smalltalk der einem mit einem guten Gefühl und Lächeln weitergehen lässt. Ich weiß nicht ob es nur an den Leuten hier liegt, die es einem recht einfach machen so offen zu sein. Aber ich weiß, dass es gut tut.

So, zum Abschluss noch ein Update über meine Hostfamilie: Alles bestens im Moment! Mein Hostdad und ich haben eine gemeinsame Liebe für Monty Python Filme/schwarzen/trockenen Humor entdeckt, meine Hostmum und ich verstehen uns eigentlich schon die ganze Zeit prima und meine Kinder wachsen mir auch mehr und mehr ans Herz. Jess hat mir gestern ein Bild geschenkt und mich mit so viel Knuddeleien und Lachen überhäuft, das ich fast ein wenig Tränen in den Augen hatte. Pip ist nun auch an mich gewöhnt und genießt es insbesondere wenn man ihr ein wenig Zeit widmet, sei es zum Nägellackieren (der Grund warum ich meistens mit entweder bunten oder glitzernden Nägeln rumrenne^^), Basteln, Gänseblümchenketten anfertigen oder einfach der extra-langen Bedtime Story.
Auch hier gibt es natürlich Momente, da sind die Kinder mal müde oder alle hatten einen stressigen Tag...aber wie auch mit meiner persönlichen Laune ist doch generell Sonnenschein angesagt.

Bevor ich diesen Post jetzt beende um Pip und Jess abzuholen: Ich hab ein kleines Video über den Hobbiton Trip gemacht:


Grüße vom Ende der Welt!

To stand on one's own feet

Kia Ora! 
Tut mir Leid, dass ich ein Weilchen nichts geschrieben habe, aber irgendwie dachte ich mir immer: Das machst du morgen. Oder: das machst du nachdem und dem Ausflug, dann hast du was zu berichten. Nun aber ein Update, pünktlich zum Oktoberbeginn. Mir geht es im Moment richtig gut und diese innere Ruhe und Zufriedenheit ist so angenehm! Das heißt nicht, dass ich nicht auch mal den ein oder anderen Durchhänger habe, aber meistens ist mein persönliches "Wetter" eher sonnig als bewölkt. Ich glaube das liegt vor allem daran, dass ich in den letzten Tagen/Wochen mehr und mehr aus mir herausgekommen bin, auf Leute zugegangen bin und Dinge selbst in die Hand genommen habe. Kaum 2 Monate hier und schon merke ich wie Neuseeland mich verändert. Ich bin offener, mutiger in manchem Sinne und warte nicht immer nur ab - das wird schon jemand anderes übernehmen- sondern plane eben auch mal Dinge selbst und ziehe die dann auch durch.
Mehr dazu später.
Nun aber mal zu dem, was ich in den letzten Wochen erlebt habe. Am Wochenende vom 20. September zum 22. September hat mich meine Hostfamilie eingeladen mit ihnen nach Matakana, genauer gesagt in die Gegend Agies Bay, zu fahren. Ursprünglich sollten die Großeltern mitkommen, aber da es Sue (der Oma) nicht so gut ging, wurde dann ich gefragt.
In Algies Bay kamen wir in dem Ferienappartment eines befreundeten Ehepaars, Lyall und Wendy, kostenlos unter. Am Samstag wollten wir dann eigentlich mit dem Glasbottom-Boat nach Goat Island rausfahren (da kann man auf dem Weg unheimlich viele Fische sehen!); leider war aber das Wetter zu stürmisch. Also haben wir nur kurz am Strand dort angehalten, ein paar Bilder gemacht, auf den Felsen herumgeturnt und sind dann weiter gefahren. Am Morgen waren wir auf dem Farmers Market in Matakana, bei dem alle möglichen verschiedenen Farmer aus der Umgebung ihre Produkte verkaufen. Es gibt auch Brot, Nüsse etc. zu kaufen. Und natürlich gab es einen Stand mit "Lothlórien" Wein. Hach, Neuseeland.
Nach einem kurzem Zwischenstopp beim Honey Centre, in dem sich, wie könnte es auch anders sein, alles um Bienen dreht (und in dem es superleckere Honigvarianten gibt!) ging es dann auch schon zurück ins Appartment. Lyall und Wendy wollten am Abend ausgehen und haben mich prompt damit beauftragt auf den Hund aufzupassen, da der mich von Anfang an zu mögen schien. Ich verbrachte den Abend mit Vicky, Chris, einem genialen Film (Secondhand Lions - definitiv anschauen!) und einem kleinen weißen Fellball names Chanel, die Tiere auf dem Bildschirm anknurrt (auch animierte Fische...). Dieser Hund war soo unterhaltsam...und auch gar nicht so nervig, wie das vielleicht klingen mag, denn auf mein "Chanel. Stop barking/growling" war immer sofort Ruhe und es wurde auf meinem Schoß weitergedöst. Süß.
Am Samstag war richtig schönes Wetter und wir sind vor unserer Heimfahrt runter an die Bucht (Algies Bay) und dort ein wenig am Strand entlanggelaufen (bzw. in meinem Fall mit hochgekrempelter Hose durchs Wasser - so angenehm!). Die Aussicht dort ist wunderschön gewesen und man wünschte sich direkt auch so nah an einer Bucht zu wohnen...
Lyall und Wendy waren super nett; insbesondere mit Wendy habe ich mich wunderbar verstanden. Zu meiner großen Überraschung hat sie mich auch zum Abschied umarmt und mich eingeladen sie jederzeit zu besuchen, wenn ich in der Gegend bin. Aber gerne doch!
Nach dem Wochenende kam eine entspannte Woche, in der ich unter anderem die Backpackerin aus Lörrach und ihren Freund traf  und den beiden ein wenig Auckland zeigte und Fragen über das Leben in Neuseeland beantwortete. Mein großes Highlight der vergangenen Wochen folgte dann aber am 28. September: Es ging auf nach Hobbiton!

to be continued...