Erst einmal: Es tut mir sehr Leid, dass ich so ewig nichts mehr geschrieben habe - die letzten Wochen waren irgendwie entweder sehr geschäftig oder ich war zu faul/müde um mein deutsches Vokabular und die dazugehörige Grammatik hervorzukramen.
Nun aber melde ich mich mal wieder zurück. Was ist so los gewesen in den letzten Wochen? Ehrlich gesagt kann ich mich gar nicht mehr an alles erinnern, aber ich versuche es. Oktober war für mich ein vielbeschäftigter Monat, darüber bin ich auch froh. Er war geprägt von Treffen und Unternehmungen mit anderen Au Pairs, deren Erzählungen für mich eine Phase der Selbstreflexion einleiteten. Nicht ohne Grund heißt meine Überschrift: The Good Life.
Denn genau das habe ich hier, und es wird mir immer bewusster. Ein richtig gutes Leben. Es gab so einige Momente diesen Monat, da wirkte alles fast ein wenig surreal. Man trifft sich zum Frühstück auf Mount Eden und schaut nach dem Erklimmen des grünen Hügels (erloschener Vulkan) auf Auckland hinab, verbringt einen Sonntag auf dem indischen Diwali Festival und genießt die leckeren Speisen, fährt für Fish& Chips (und später auch Frozen Yoghurt- yum!) nach Mission Bay, steht mit hochgekrempelten Hosenbeinen im klaren Wasser, den Strand hinter sich und Rangitoto Island am Horizont, die warme Sonne strahlt einem auf den Körper und es fühlt sich ein wenig an wie ein Italien Urlaub...
Dank Facebook ist es mittlerweile für mich relativ einfach mich mit anderen Leuten zu treffen und so langsam etablieren sich auch erste "Langzeit"-Bekanntschaften. Dazu gehören unter anderem drei Lisas - sehr verwirrend manchmal!
Am Wochende vom 26.-28. Oktober war Labour Weekend, ein langes Wochenende dank einem Feiertag am Montag. Da ich frei hatte und man solche Gelegenheiten nicht verschwenden sollte, beschloss ich einen Trip mit ein paar anderen Mädels zu planen. Mit viel Chaos, Geduld und gefühlten eintausend Facebooknachrichten schafften wir es dann auch tatsächlich alles (wenn auch recht Last-Minute) zu planen und zu buchen. Das Ziel: Taupo.
Taupo liegt relativ in der Mitte der Nordinsel, ca. 70km entfernt von Rotorua. Es ist vor allem bekannt für seinen See, Lake Taupo, der ungefähr so groß wie Singapur ist. Außerdem ist es eine Vulkangegend und daher unter anderem auch reich an geothermalen Attraktionen. Für den Trip habe ich dann das erste Mal ein Auto gemietet, was auch recht gut geklappt hat. Am Samstagmorgen trafen wir uns bei der Vermietung und nach einem kurzen Einchecken, Verstauen unseres Gepäcks und Wahl des ersten Fahrers ging es dann auch schon los. Unser Gefährt war ein silberner Nissan Bluebird, das wir später auf den Namen "Wilma" tauften (Papa's Einfluss. Ich hatte ein langgezogenes "Wiiiiilmaaa" im Kopf und der Vorschlag wurde angenommen). Auch wenn man bei Wilma das Gaspedal ab und an mal ganz durchdrücken musste um Fahrt aufzunehmen und die Bremsen das ein oder andere Quietschen von sich gaben, fuhr sie doch ordentlich und zuverlässig. Auf der Rückbank war es auch richtig "cozy", es wurde einem definitiv nicht kalt bei so viel Nähe zum Sitznachbarn. Nach einem kleinen Zwischenstop fürs Frühstück und einem Fahrerwechsel ging es weiter nach Taupo. Von Auckland aus braucht man ca. 4 Stunden um dort hin zu fahren. Selbst mit Pause lagen wir sehr gut in der Zeit und kamen sogar früher als erwartet an. Wir haben uns kein einziges Mal verfahren!
Im Hostel angekommen wurden wir sofort freundlich begrüßt und mit diversen Karten, Tipps und Vouchern ausgestattet - so sollte das immer sein! Unser Zimmer, das wir ganz für uns hatten, hatte vier Stockbetten und ein einzelnes Bett. Nach kurzer Diskussion um die Bettenverteilung, die zum Glück friedlich ablief, wurde das angrenzende Bad inspiziert (und für gut befunden). Einen kurzen Trip zum nahen Supermarkt später war es auch schon Zeit sich für die geplante Boot Cruise fertig zu machen. Für den Nachmittag hatten wir nämlich eine Cruise auf einem Segelboot über Lake Taupo geplant. Also auf zum Hafen.
Schnell lernten wir, unsere Füße gegen die Reling zu stemmen, wenn das Schiff sich bei einer Drehung mal wieder stark auf die eine oder andere Seite lehnte. Am Anfang war man noch etwas ängstlich, bald schon liefen wir aber munter herum. Ein Crewmitglied plauderte mit uns, gab uns Tipps für unseren Aufenthalt in Taupo und der Kapitän meldete sich ab und an gut gelaunt zu Wort. Aus ein paar Lautsprechern erschallte leise Musik, was später sehr amüsant werden sollte. Als wir in einen Abschnitt mit stärkerem Wellengang gelangten, schaltete der Kapitän nämlich zur allgemeinen Belustigung "My heart will go on" ein. Wir konnten natürlich nicht widerstehen und begaben uns sofort zum Bug des Schiffes, wo wir auf einer schmalen Holzplanke balancierend standen, die Hand von der Metalreling zögerlich lösten und uns dann in Titanic Pose warfen, "Ich bin der König der Welt!"-Gefühl garantiert.
Ein wenig später erreichten wir einen weiteren beeindruckenden Teil Lake Taupos. In einer der Felswände entlang des Sees haben Künstler ein 10m hohes Gesicht im Maori Carving Stil kreiert. Eine ungewöhnliche und imponierende Erscheinung, die wir natürlich alle sofort mit unseren Kameras festhielten. Oder, in meinem Fall, versuchten. Denn just in diesem Moment beschloss meine bis dahin treue Kamera, dass sie wohl genug hatte und verabschiedete sich. Zoomfehler hieß die Diagnose. Also, Handy raus und damit weiter geknipst, auch wenn das definitiv nicht so zufrieden machte. Nach unserem Blick auf die Felswände segelten wir in ruhigere Gewässer. Einige der Gäste an Bord starteten ein Barbecue, wir begnügten uns mit Crackern. Budget-Essen eben. Während unseres Abendessen setzte einer dieser "Ich kann nicht glauben, dass ich gerade hier bin und dies und das tue"-Momente für mich ein. Sitze ich gerade wirklich auf einem Segelboot mitten in Neuseeland, auf einem wunderschönen See, und beobachte den Sonnenuntergang?
Dass die Antwort hierzu "Ja" lautet, ist manchmal unbegreiflich.
Kurz nach dem Barbecue machten wir uns dann auch schon auf den Weg zurück zum Hafen. Die Cruise war eine vergnügliche und tolle Erfahrung, die wir definitiv jedem weiter empfehlen würden.
Da Cracker als Abendessen nicht wirklich sättigend sind, begaben wir uns danach auf Futtersuche. Es wurde jedoch bereits nach wenigen Minuten einstimmig beschlossen, dass wir uns einfach die Spaghetti mit Sauce kochen sollten, die meine Hostmum mir mitgegeben hatte. Also, auf ins Hostel. Nach dem Abendessen ging es auch bald ins Bett, da wir alle von der langen Fahrt und der Cruise ein wenig müde waren.
Nach den Huka Falls ging es weiter zu den Aratiatia Rapids, einer Schleuse. Ein großer See ist hier aufgestaut. Mehrmals am Tag wird die Schleuse geöffnet und die herausschießenden Wassermengen verwandeln den angrenzenden Canyon und das ruhige Wasser darin in einen reißenden Strom - und produzieren dabei auch noch Strom!
Nachdem wir auch dieses beeindruckende Schauspiel zu Genüge bestaunt hatten, machten wir uns auf den Weg zu dem letzten geplanten Stop dieses Tages: die Hot Pools.
Da Taupo eine Vulkangegend ist gibt es dort viele heiße Quellen. Das Besondere: Auch wenn es die ein oder andere Spa-Einrichtung gibt, in der man in den Hot Pools baden kann (mit Umkleide-Kabine und solchem Luxus), so gibt es auch natürliche Hot Pools, die öffentlich zugänglich sind. Wir dachten uns: Warum dafür bezahlen, wenn es das umsonst gibt?
Also, Schwimmsachen an und auf zu den Hot Pools! Diese befinden sich an einem Seitenarm von Lake Taupo und waren mehr besucht als wir dachten, aber nicht völlig überfüllt. Niemand von uns war vorher je in natürlichen heißen Quellen gewesen, man tastete sich neugierig vor - und versank sofort mit einem zufriedenen Seufzer im Wasser. Die Hot Pools fühlen sich an wie ein angenehmes warmes/heißes Bad und man fühlt direkt wie sich die Muskeln entspannen.
Da hatte ich mich nun jahrelang nicht mehr zum Schwimmgang überreden lassen, aber Neuseeland hat eben überzeugende Argumente...wobei wir den Versuch im angrenzenden See zu schwimmen schnell aufgaben, nachdem wir feststellten wie eiskalt das Wasser im Vergleich zu den Hot Pools war. Nach einem lustigen Anziehtanz der viel "Oh bitte Handtuch, rutsch nicht runter" und Gehüpfe involvierte, hatten wir es auch alle sicher wieder in unsere Kleidung geschafft und man konnte sich- sehr entspannt und zufrieden- auf den Weg zurück zum Hostel machen. Wir beschlossen für das Abendessen indisch essen zu gehen, was sich als eine gute und leckere Entscheidung erwies.
In der Nacht schliefen wir alle tief und fest - heiße Quellen sollten immer in Reichweite sein, wir hätten sie gerne mit nach Auckland genommen....
Als wir auch hier genügend Bilder gesammelt hatten, uns in der Stadt mit Essen und einer neuen CD-Sammlung für die Rückfahrt versorgt hatte, ging es auch schon zurück in "Wilma" und auf nach Auckland.
Dieser erste Roadtrip erfüllte bald auch alle Klischees - von der lautaufgedrehten Musik und dem enthusiastischen Mitsingen/Gröhlen solcher Hits wie "Whenever, Whereever" und "Sexy Back", über die obligatorische Pinkelpause bis hin zum unvermeidlichen Stau. Sechs anstrengende, aber auch amüsante, Stunden später kamen wir dann endlich wieder in Auckland an.
Auf das turbulente Wochenende folgte eine teils ruhige, teils ebenso turbulente Woche. Am Donnerstag war Halloween, die Kinder wollten natürlich verkleidet sein und meine Hostmum und ich mussten kreativ werden. Wir endeten mit einem Kissenbezug-Geist und einer Hexe - deren grüne Gesichtsfarbe ich auf Wunsch natürlich nur zu gerne herbeizauberte.
Am Abend waren wir spontan "Trick or Treating" mit Freunden der Familie. Zu unserer Belustigung fand Jess das Ganze eher spannend und wunderbar (Free Candy eben), Pip war eher eingeschüchtert von den ganzen Kostümen und TamTam.
Der Freitag begann für mich zum Glück sehr entspannt. Ich verbrachte ein paar Stunden nur mit Jess, da Vicky mit Pip ins Planetarium gegangen war. Zuerst war ich ein wenig besorgt, da ich bislang nie nur mit Jess allein war (und sie manchmal ein wenig Papa/Mama bezogen ist), aber innerhalb weniger Minuten verlor sich diese Sorge und wir kugelten gemeinsam lachend über den Boden, bauten Klötzchentürme, putzten zusammen die Fenster (meine wundervolle Jess macht das sogar gerne!) und aßen miteinander Lunch, wobei ich meine Knödel verteidigen musste. Später ging es dann noch zusammen auf in den Park und ich spendierte Jess ein Eis, was sie natürlich sehr genoß.
Für den Freitagabend hatte ich ursprünglich ein Barbecue mit anderen Au Pairs geplant, aber da das Wetter eher regnerisch aussah und die Anzahl an Antworten zu wünschen übrig ließ, entschied ich mich stattdessen mit zwei meiner drei Lisas essen zu gehen. Wir trafen uns in Ponsonby und liefen zu einem super leckeren Italiener, der glücklicherweise noch Plätze frei hatte. Nach unserem Abendessen dort bewegten wir uns ein Haus weiter zur italienischen Eisdiele und gönnten uns alle köstliche Sundaes. Der Abend machte mir richtig viel Spaß, da er mich an ähnliche Abende mit Freunden in Deutschland erinnerte. Gute Essen, Gelächter, interessante Gespräche und das Versprechen, das bald wieder zu machen - was will man mehr?
Der einzige Wermutstropfen war mein reduzierte Schlaf, da ich für den nächsten Tag eines Tagestrip geplant hatte und für diesen um sechs Uhr morgens aufstehen musste. An einem Samstag gehört sich das einfach nicht.
Mit drei anderen Mädels hatte ich bereits im September einen Voucher für einen Tagestrip zu der Bay of Islands gekauft und unsere Buchung für den 2. November gemacht. Die 4-stündige Fahrt wurde durch den Busfahrer erträglich gemacht, der uns die Fahrt über mit interessanten Details und Geschichten zu Neuseeland unterhielt. Zumindest fand ich sie interessant (die Historikerin in mir), die anderen Mädels zogen es vor ein wenig zu dösen ;-)
Wir kamen in Paihia an, einer kleinen Küstenstadt bei der Bay of Islands, deren Maori Name übersetzt so viel wie "lovely place" bedeutet. Nach einer Stunde Freizeit und sehr leckeren Pancakes als Mittagessen ging es mit dem Boot raus aufs Meer. Man konnte direkt sehen warum die Maori diesen Ort "lovely" fanden. Das im Sonnenschein glitzernde blaue Meer und die verteilten Inseln, die mal mit Bäumen bedeckt, mal Felsformationen, mal beinahe Südseeähnlich mit weißen Stränden und türkisem Wasser sind, sorgen für atemberaubende Anblicke. Das Highlight für uns war aber nicht die schöne Aussicht. Teil der Tour ist eine "Dolphin Cruise" - wenn man Glück hat. Und das hatten wir.
Delfine kamen und schwammen um das Boot herum, so unglaublich nah, dass man fast glaubte sie berühren zu können. Die meisten von uns hatten noch nie Delfine gesehen und schon gar nicht in freier Wildbahn - für uns war es ein magischer Moment.
Viel zu schnell - oder so empfanden wir es- verschwanden die Delfine wieder und wir ließen mit seligen Lächeln auf unseren Gesichtern den Rest der Cruise auf uns zu kommen. Unser Ziel war "The Hole in the Rock" eine Felsformation mit einem Loch darin, dass nicht nur für einen interessanten Anblick sorgt, sondern auch groß genug ist um mit dem Schiff hindurch zu fahren (aber klein genug um es spannend zu machen). Auf dem Weg dorthin zeigte sich, dass wir wohl ein besonders glücklicher Haufen Passagiere sein mussten, denn unerwartet kamen noch einmal Delfine zu Besuch. Diesmal standen wir auf dem unteren Deck und sie waren uns noch so viel näher als zuvor, diese wunderschönen, verspielten und dennoch wilden Kreaturen.
Als wir wieder auf unseren Sitzen saßen, kam für mich wieder einer dieser "Wow"-Momente, in denen man den aktuellen Moment reflektiert, fast so als ob man sich vom Körper für einen Moment losgelöst hätte und alles von außen betrachtet. Ich bin in Neuseeland. Ich sehe atemberaubende Landschaften. Ich treffe neue Leute, tue Dinge die ich sonst nie tun würde. Ich habe Delfine gesehen, Hügel erklommen, Inseln erkundet, bin Strände entlang geschlendert und Felsen hinaufgeklettert, um beim Lesen auf die Bucht hinauszusehen. Ich habe mich selbst überwunden und tue es jeden Tag aus Neue. Ich habe eine tolle Hostfamilie, mit der ich mich besser und besser verstehe. Ich liebe meine Hostkids, ihr Lachen, ihre Umarmungen und ihren Schabernack. Der Blick nach vorne bringt Abenteuer, Reisen und Freundschaften, die Zukunft strahlt hell - ich genieße das Leben in vollen Zügen.


